Waschküchen-Technikkram-Verkleidung

Posted on Sa 17 April 2021 in DIY & Workshop

Unser Haus ist schon sehr alt und ist nur zu einem kleinen Teil unterkellert. Und der alte Gewölbekeller ist super, um Wein oder Kartoffeln zu lagern, aber diese alten erdverbundenen Keller sind naturgemäß feucht und so will man da keine Waschmaschine rein stellen. Daher ist unsere Waschküche im Erdgeschoss. Dort finden sich neben Waschmaschine und Trockner auch der Netzwerkschrank, ein riesen Sicherungsschrank und die Verteilung der Heizung. Und so sieht eine Seite ziemlich wild aus: Heizungsleitungen, Kabel, etc. Und dieser Technik-Verhau sollte immer mal verkleidet werden, aber irgendwie hatten wir das nie in Angriff genommen. Und das soll sich heute ändern.

Der Plan ist, eine Trockenbau-Verkleidung zu basteln, die aber weiterhin Zugriff auf die ganze Technik und v.a. den den Sicherungsschrank gewährt.

Pläne machen

Zunächst musste also mal ein Konzept her. Die Basis ist simpel: Ein Rahmenwerk, Gipskartonplatten und irgendwelche Türen. Aber wie genau? Also habe ich mich mit einem Freund einen Abend lang hingesetzt, Pläne gemacht und Bier konsumiert. Am Ende hatten wir jede Menge Skizzen und Ideen, wie man das im Detail gestalten könnte:

Also mit Metallschienen, Gipskarton, Holzverstärkungen, Brettern, etc. etc. Wie das immer so ist, gefielen uns diese Pläne am nächsten Tag nur noch halb so gut und wurden überarbeitet und vereinfacht. Aber am Ende des Denkprozesses hatten wir einen guten Plan:

  • Ständer und Verstrebungen aus Rahmenholz
  • Blechwinkel zur Verbindung
  • Gipskartonplatten für die Verkleidung
  • IKEA Veddinge Küchenschranktüren, 60 x 200cm
  • An den sichtbaren Flächen das Rahmenholz glatt hobeln und weiß streichen/lackieren

Die beiden notwendigen Türöffnungen sind ca. 110 cm und gute 80 cm breit. 200cm Höhe passt in beiden Fällen gut. Das bedeutet aber, dass wir die Türen auf die richtige Breite schneiden müssen. Und deshalb ist die Wahl auch auf die Veddinge Küchenschranktüren gefallen und nicht auf die Pax Schranktüren. Letztere sind nämlich aus Wabenpappe und können daher nicht gut zurecht geschnitten werden. Die Veddinge Türen sind Spanplatte lackiert und so kann ich sie leicht schneiden und nachlackieren.

Das ist ein bisschen Aufwand, aber allemal einfacher, als Türen komplett selber zu bauen. Und für 32€ pro Tür kann man sie fast nicht selbst bauen.

Rahmenkonstruktion

Der erste Bauabschnitt ist also die Rahmenkonstruktion. Im Baumarkt hab ich Fichten-Rahmenholz besorgt und darauf geachtet, dass ich einigermaßen gerade Teile nehme. Das Zeug ist unschlagbar billig: für 6 Hölzer 58x38x2500 und 4 Hölzer 58x38x2000 habe ich keine 20€ bezahlt. Eine große Schachtel mit Blechwinkeln hatte ich noch rumliegen und die beste Ehefrau von allen hat noch eine große Schachtel Spax Schrauben 3.5x25mm besorgt, während wir schon mal Holz auf Länge geschnitten haben.

Der Plan ist, die Topfbänder der Türen direkt auf den Holzrahmen zu schrauben. Das heißt aber auch, dass die Vorderseite der Rahmenhölzer sichtbar sein wird und gestrichen oder lackiert werden muss. Nun ist Rahmenholz sägerauh und das sieht scheiße aus, wenn man es lackiert. Also glätten. Mit der Hobelmaschine.

Und so haben wir heute wie die Wilden Rahmenhölzer mit der Kappsäge abgelängt, Ausschnitte für die Fußleiste auf der Bandsäge geschnitten einen Schlitz und eine Nut mit der Tischkreissäge erzeugt und sichtbare Flächen gehobelt.

Bei den meisten Stellen spielen die exakten Maße keine große Rolle, aber an einer Stelle doch: Der mittlere Pfosten, an dem zwei Türen angeschlagen werden sollte ziemlich exakt 36-37mm dick sein, damit die Türen nicht aneinanderstoßen oder eine hässliche Lücke entsteht, denn die Türen und Topfbänder sind auf Küchenschrank-Korpusse mit 18mm Plattenstärke ausgelegt. Aber zum Glück haben wir für genau solche Aufgaben den Dickenhobel! Und so haben wir zuerst mal die Seiten über den Abrichthobel geschoben und dann mit dem Messschieber kontrolliert, wieviel noch weg muss. Ich kann euch sagen – die Enttäuschung war groß, als wir feststellen mussten, dass der Balken schon exakt auf Wunschmaß ist und die heroische Dickenhobelaktion ausfällt. :-(

Nach viel Messen, Sägen und schrauben war das Werk vollbracht. Unsere Rahmenkonstruktion steht:

Gipskarton

Als nächstes war Beplanken angesagt. Also Gipskartonplatten schneiden – das ging einfacher, als befürchtet. Im Grunde muss man nur mit einem Cutter und einem Stahllineal eine Sollbruchstelle ritzen und dann lässt sich das leicht abbrechen. Die Teile dann auf die Rahmenkonstruktion aufschrauben und schon hat man einen Koffer.

Sieht doch eigentlich garnicht schlecht aus. Nun Gips anrühren und alles verspachteln, das noch Löcher hat oder nicht ganz glatt ist: Stöße, Kanten und Schraubenlöcher.

Etwas antrocknen lassen, ein wenig mit nassem Schwamm glätten, oder mit dem Spachtel grobe Sachen abkratzen, ganz trocknen lassen, schleifen, nochmal spachteln. Da capo al fine.

Trockenbau hat was von Kindheitserinnerungen an das Spielen im Schlamm: mit Wasser und Gips rumpanschen, ordentlich Staub verursachen etc. Da strahlt das Kind im Manne. Jedenfalls bis es an der Zeit ist, die ganze Sauerei mit Staubsauger, Lappen und Co. zu bekämpfen.

Grundieren und Streichen

Wenn alles eine zufriedenstellende Oberfläche hat, ist es an der Zeit zu malern. Gipskarton saugt ordentlich und so muss man erstmal eine Runde Tiefengrund aufrollern. Vorher ordentlich mit Folie und Lackiererband abdecken/-kleben nicht vergessen, weil dieses Acryl-Zeug klebt wie die Hölle. Auch Handschuhe sind eine gute Idee, damit man es nicht von den Pfoten schleifen muss. 2x nass in nass sagte die Anleitung und auch unser Kater Ferdi fand nass in nass eine gute Idee – ich hab ihn grade noch rechtzeitig erwischt, bevor er das komplette Haus mit Tiefengrund Katzenpfoten-Spuren dekorieren konnte...

Als nächstes dann die Folie wegschmeißen, die ein Haustier, das anonym bleiben möchte, über Nacht in tausend Stücke gerissen hat und neue kaufen. Boden wieder abdecken Farbe aufrühren und mit der Rolle auftragen – äh – wo ist die verdammte Rolle? Eine systematische Hausdurchsuchung ergab, dass die Farbrolle von selbigem Haustier gestohlen und ins Schlafzimmer verschleppt worden war. Hier der Beschuldigte:

Nun also wirklich streichen, etwas antrocknen lassen. Wiederholen bis es schön deckt.

Sehr gut. So langsam nimmt es Formen an.

Türen

Wie schon eingangs gesagt, hatte ich keine Lust darauf, die Türen selber zu bauen und so hatte ich mich für fertige Ikea Küchenschranktüren entschieden. Die haben schon die Löcher für die Topfbänder und sind fertig lackiert. Das macht das Leben leichter. Also in der Theorie, denn nach dem Klopapiernotstand im letzten Jahr scheint es nun einen eklatanten Ikeaküchentürenengpass zu geben. Ob das an Corona liegt, oder alle Türen im Suez-Kanal steckengeblieben sind ist unklar, aber auf der Ikea-Seite erfahre ich immer nur, dass die Teile weder geliefert werden können, noch per Click & Collect zu haben sind. Grumpf!

Aber heute war es endlich soweit: die Türen sind wieder lieferbar! Sehr schön – also gleich bestellt zusammen mit den nötigen Topfbändern.

Nun heißt es warten bis zum avisierten Lieferdatum Anfang Mai – Fortsetzung folgt…

[...]

Nun sind sie da!

Als erstes mussten sie mal auf die richtige Breite geschnitten werden. Dazu haben wir erstmal penibel gemessen und sie dann mit Tauchsäge und der 2m Schiene geschnitten. Das ging super – ich liebe meine Tauchsäge!

Als nächstes haben wir die Topfbänder in die Türen eingebaut, das Ganze auf Bierdeckel gestellt, bis die Höhe passt und dann die Innenseite der Bänder auf die Holzbalken geschraubt. Griffe möchte ich vermeiden und so haben wir so Druckverschlüsse eingebaut.

Im Anschluss war Justieren angesagt – das ist immer eine ziemliche Fummelei bis alle Spaltmaße, Abstände und das Gesamtbild passen. Aber letztlich waren wir zufrieden. Zuguterletzt die Kanten der Schnitte minimal mit ganz feinem Sandpapier brechen und wieder weiß lackieren.

Fertig!

Ich finde das ist super geworden und so haben wir die Vollendung gebührlich mit Weißbier gefeiert.

Retrospektive

Nun, da alles fertig ist, schauen wir mal zurück und fragen uns, ob es schlauer gewesen wäre, irgendwas anders zu machen und was gute Entscheidung waren.

Insgesamt bin ich mit der Konstruktion sehr zufrieden und bin froh, den Rahmen komplett aus Holz gebaut zu haben. Ich glaube, die Metallstreben sind praktischer, wenn man eine längere Trockenbauwand errichten will, aber für eine Konstruktion mit so vielen Ecken, Kanten und Winkeln war Holz, zumindest für mich, die bessere Wahl. Auch weil wir eh was zum anschrauben der Topfbänder brauchten.

Ich bin auch weiterhin von dem Ansatz überzeugt, fertige Türen zu verwenden, auch wenn die angepasst werden mussten.

Eine Sache habe ich aber gelernt: Es hat einen guten Grund, dass diese Gipskartonplatten eine grüne und eine braune Seite haben: Die grüne gehört nach außen und das hatte ich an einer Stelle bewusst missachtet, weil ich mir dachte, dass es so leichter ist, eine schöne scharfe Kante zu bekommen, weil dann die Rundung innen liegt und nur gefüllt werden muss. Das hat sich auch bewahrheitet und ich war sehr zufrieden, aber beim Streichen hat es sich etwas gerächt, denn die braune Seite hat angefangen, leichte Blasen zu werfen – die ist offenbar nicht/anders imprägniert oder aufgebaut. War nicht wirklich schlimm und nach dem Trocknen sieht man es eigentlich kaum mehr.

Und es hätte einige Arbeit erspart, noch mal in den Baumakrt zu fahren, als uns die Kantenschutzbleche ausgegangen sind: An der senkrechten Kante ist eines verbaut, aber für die Unterkante des Koffers an der Decke hat es nicht gereicht und so haben wir das freihändig gemacht. Und so war es etwas mühsamer eine schöne gerade Kante zu formen, als wenn ein Blech verbaut wäre. Der Schutzaspekt ist an der Stelle aber egal, denn da stößt niemand an.

Also ich würde sagen: 9/10 Punkten. ;-)