Walnüsse!

Posted on So 04 Oktober 2020 in DIY

Vor unserem Haus steht ein ca. 100jähriger Walnussbaum. Den finde ich toll, auch wenn er im Herbst einen riesen Dreck macht, wenn all die Blätter runterkommen. Aber zum Ausgleich gibt es jede Menge Walnüsse. Also wenn man ganz ehrlich ist, dann sind die Nüsse irgendwie auch eine Plage, denn so ein alter Baum trägt in einem Jahr mehr Nüsse, als ich in meinem bisherigen Leben gegessen habe. Aber zum Glück gibt es viele Walnussliebhaber und so sind sie leicht zu verschenken.

Aber zunächst galt es mal, einige technische Probleme zu lösen. Das erste bestand darin, dass es saumäßig aufs Kreuz geht, eine gefühlte Million Walnüsse vom Boden aufzulesen. Aber dagegen ist ein Kraut gewachsen und das heißt Nusssammler. Hatte ich auch noch nie gehört und ich war zunächst auch sehr skeptisch, ob das nicht eines dieser Scheißpatente ist, wie sie üblicherweise in ADAC Motorheft und Co angepriesen werden. Das Teil sieht irgendwie aus wie ein Vogelkäfig am Stiel – also da sind so Speichen, die dann gebogen sind und auf beiden Seiten in einer Art Radnabe münden, so dass ein ovaler Käfig entsteht – etwa in Form und Größe, wie ein Rugby-Ei. Das Ganze ist dann drehbar an einem Besenstiel befestigt. Könnt Ihr Euch nicht vorstellen? Glaube ich – deswegen hier ein Bild:

Nusssammler

Mit dem Teil rollert man dann über Hof und Rasen und die Theorie ist, dass sich die Walnüsse beim Überfahren durch die Lücken zwischen den flexiblen Speichen durchmogeln und dann im Inneren gefangen werden. Kling total beknackt, oder? Funktioniert aber unglaublich gut! Kann ich jedem Empfehlen, der Walnüsse, Golfbälle, oder andere runde Objekte dieser Größe ohne Bücken einsammeln möchte.

Nusssammler

Wenn das Teil voll ist, dann biegt man entweder die Speichen mit der Hand auseinander, oder verwendet so einen zur Spitze gebogenen Drahtbügel, der auf einem Eimer sitzt, um das Gerät wieder zu entleeren

Mikrobieller Angriff

Das Ernteproblem ist also gelöst, aber der stolze Nuss-Farmer wird kurze Zeit nach der Ernte feststellen, dass die blöden Dinger im Handumdrehen das Schimmeln anfangen! Grrr. Was also tun? Das allwissende Internet, oder die analogen Nachbarn erklären einem auf Anfrage, dass man Walnüsse nach der Ernte unbedingt eine Weile trocknen muss. Idealerweise einlagig ausgebreitet in einem warmen Raum, oder der Sonne, falls diese gerade zu scheinen geruht.

Letztes Jahr haben wir die ganzen Nüsse in alte Bettbezüge rein getan und im Wohnzimmer ausgebreitet. Das hat gut funktioniert, fand aber als Dauerlösung nicht die nötigen Stimmen im Familienrat – also insbesondere nicht die meiner Frau...

Alte Obststeigen wären eine gute Lösung. Darin kann man die Nüsse schön ausbreiten und die Kisten dann zu einem hübschen Turm aufstapeln – z.B. im Heizungsraum. Leider sind die Obststeigen, die ich so im Supermarkt als Dreingabe bekomme eher sehr klein und ich entsorge sie auch immer gleich, weil mir deren Nutzwert für die Walnussverarbeitung bisher entgangen war. Viele Obstkisten sind zudem sehr hoch – und wenn ich die Nüsse nur einlagig hineingeben darf, dann wäre das intolerable Platzverschwendung.

Nusstrockensteigentischlerei

Also habe ich das getan, was jeder vernünftige Mensch nun getan hätte: Ich bin den den Baumarkt gefahren und haben mir sägerauhes Rahmenholz gekauft: 8 Stück, ca. 2m lang, 30x50mm. Ob ich die größte Obstkiste der Welt bauen will? Nein – keineswegs!

Mein Plan ist, mehrere Kisten mit den Maßen 60x40x10cm zu bauen. Also schön groß, damit was rein passt und schön flach, damit man viele aufeinander stapeln kann. Dazu muss ich das Kantholz erstmal in gefällige Leisten verwandeln. Wenn ich die Kanthölzer auf der Tischkeissäge auftrenne, dann bekomme ich aus jedem Kantholz 3 Leisten mit 5cm Breite und 10mm Dicke – könnte man meinen. Stimmt aber nicht, denn das Sägeblatt ist ca 3mm dick und das muss man bei jedem Schnitt abziehen. Also 6mm weniger, da 2 Längsschnitte. (30-6)/3 = 8mm. Das klingt vernünftig. Damit die Kisten etwas netter aussehen habe ich aber beschlossen, die Kanthölzer eine Runde über den Abrichthobel zu schieben. Dann sind sie schön glatt und etwas dünner. Am Ende gibt es deswegen ≈7mm Leisten und die sind auch nicht mehr ganz 50mm breit. Da wir hier aber keine Wohnzimmermöbel bauen habe ich das nicht so genau nachgemessen.

Für jede Kiste brauche ich:

  • 9 Leisten mit 60cm (7 für den Boden und 2 für die Seiten)
  • 2 Leisten mit 40cm (als Querverstrebungen für den Boden)
  • 2 Leisten mit 41.5cm (als Stirnseiten)
  • 4 Eckpfosten, 27x27x100mm

Ich hätte gerne 6 Kisten, also habe ich erstmal meine acht Kanthölzer auf der Kreissäge auf Länge geschnitten:

  • \(6 \cdot 9 / 3= 18\) Stücke a 60cm
  • \(6 \cdot 2 / 3 = 4\) Stücke a 40cm
  • \(6 \cdot 2 / 3= 4\) Stücke a 41.5cm

Zum Glück waren sie etwas länger, als 2m, so dass ich alles aus den 8 Rahmenhölzern rausbekommen habe.

Als nächstes, alles über die Hobelmaschine und dann den Parallelanschlag der Tischkreissäge so einstellen, dass ich 7mm Leisten schneiden kann. Gehörschutz auf, Absaugung an, Säge anfahren und alle Kanthölzer schön in Leisten schneiden, ohne dabei irgendwelche Finger zu verlieren. Perfekt!

Aus diversen Holzresten, die ich noch hatte, habe ich dann 24 kleine Pfosten mit 27x27x100mm gesägt.

Dann jeweils 7 Leisten parallel auf der Werkbank anordnen und ausrichten, dass sie ein 60x40cm Rechteck ergeben und die 40cm Leisten ein paar Zentimeter von den kurzen Enden entfernt mit etwas Holzleim aufleimen. Schnell noch mit dem Druckluftnagler alles fixieren, weil ich echt keine Lust habe, sowas mit einer Million Leimzwingen zu fixieren... Das hat sich ganz spannend gestaltet, weil ich keine so kurzen Stauchkopfnägel da hatte (nur 30mm). Also habe ich eine alte Styroporplatte als Unterlage zum Nageln verwendet, damit die ganze Pracht nicht auf meiner Werkbank festgenagelt wird. Die Nagelenden habe ich dann auf der Innenseite umgebogen und mit dem Hammer platt geklopft.

Als nächstes dann die vier Eckpfosten mit je einem Klecks Leim und zwei Nägeln befestigen. Danach kommen die vier Seitenleisten dran. Ihr ahnt es schon: Holzleim und Druckluftnagler. Fertig ist die erste Kiste:

Nuss-Steige

Das Ganze dann 5 mal wiederholen, Leim trocknen lassen und schon habe ich meine Nusstrocknungsanlage im industriellen Maßstab. Oder zumindest einen Teil davon, denn der Baum trägt echt viele Nüsse...

Das hat Spaß gemacht und der besten Ehefrau der Welt konnte ich stolz vorrechnen, dass die Kanthölzer keine zehn Euro gekostet haben (8,80 um genau zu sein) und eine Kiste somit nichtmal einen Euro fünfzig. Leider hat sie dann meinen Stundensatz, Nägel, Leim, Stromverbrauch und Sägeblattabnutzung aufgeschlagen, aber das konnte meinen Tischlerstolz nur marginal trüben!

Nüsse beim Trocknen