ASA Component Tester

Posted on Fr 20 Februar 2026 in Computer & Electronics

Vor vielen Jahren hatte ich mir mal einen einfachen Komponententester gebaut. Der erzeugte via Trafo eine sinusförmige Wechselspannung von ein paar Volt und ans Oszilloskop angeschlossen konnte man damit Strom-Spannungskurven von Bauteilen aufnehmen. Viele alte analoge Oszilloskope hatten sowas früher eingebaut.

Auf der anderen Seite gibt es richtig aufwändige Curve-Tracer, die mit verschiedenen Spannungen und Frequenzen arbeiten und noch so manch anderen Trick auf Lager haben. Das sind in der Regel riesige uralte analoge Kisten die sicher viel Spaß machen, aber selten sind und entsprechen immer noch einen Arm und ein Bein kosten. Also eher nicht. Auf der anderen Seite gibt es deutlich kompaktere Geräte, wie das Tektronix TR210, die man dann wiederum an sein Oszi klemmt.

Solche Dinger nennt man auch gerne ASA Component Tester, wobei ASA für Analog Signature Analysis steht. Aber auch der Name Huntron Tracker ist immer wieder zu lesen.

Und was kann man nun damit machen? Zum einen sind sie nützlich, um Bauteile aus der Grabbelkiste zu charakterisieren – z.B. um zu prüfen, ob sie noch OK sind, oder auch um gefälschte Bauteile zu entlarven. Zum anderen kann man sowas aber auch verwenden, um bei Reparaturen im stromlosen Schaltkreis herum zu messen, um defekte Bauteile aufzuspüren.

Manche Geräte haben auch einen zweiten Kanal, um die Signatur eines fragwürdigen Bauteils mit einem Referenzbauteil zu vergleichen. Das alles klingt praktisch und so habe ich beschlossen ein bisschen aufzurüsten. Also habe ich so einen "ASA VI Curve tester" für eine guten Fuffi in Fernost bestellt. Mein Exemplar hat zwei Kanäle, die es alternierend am externen Oszi anzeigen kann. Ein Handbuch lag nicht bei, aber ich konnte soetwas wie eine Anleitung online herunterladen. Das taugt allerdings garnichts und so empfehle ich sich das Manual für das Tektronix TR210 zu besorgen. Zwar kann die billige China-Kopie längst nicht alles, was das Vorbild zu bieten hatte, (obwohl es auch einen fast exakten Nachbau gibt), aber mir hat das Tek Handbuch sehr geholfen die Funktionen des Geräts zu verstehen und obendrein enthält es haufenweise Referenzgraphiken von intakten und defekten Bauteilen.

Und so sieht mein neues Spielzeug aus:

Als erstes habe ich es natürlich geöffnet:

Die Platine ist übersichtlich und wirkt ganz ok verarbeitet. Leider sind alle Typenbezeichungen von ICs weggelasert oder -geschliffen, was ich ziemlich lustig finde, denn zum einen sind die Chinesen doch die Weltmeister des Produktplagiats und zum anderen ist so ein Curve-Tracer nun auch nicht Rocket-Science. Was soll das also?

Egal – wir wollen das Teil nun mal ein bisschen ausprobieren und herausfinden, wie es zu bedienen ist und was es so leisten kann.

Funktionsübersicht

Mein Tester hat zwei Kanäle: A und B, die sich eine gemeinsame Masse (COM) teilen. Die Blaue Buchse, die mit G beschriftet ist, stellt einen Puls-Ausgang zum schalten von Transistoren und MOSFETs dar.

Also schauen wir uns mal genauer an, was das Gerät so treibt. Mein Multimeter sagt, dass die Spannung zwischen A und COM 3.3V AC beträgt. Wenn es sich um eine sinusförmige Wechselspannung handelt dann wären das 4.67V Peak-to-Peak. Mal mit dem Oszilloskop nachschauen:

Zunächst einfach open circuit, also ohne irgendwas am Testausgang:

Und dann nehmen wir einen Widerstand und drehen ein bisschen am Poti des Testers bis die beiden Signale eine ähnliche Größe haben:

Und dann das gleiche mit einem Kondensator:

Man kann schön erkennen, dass Kanal 2 mit Kondensator eine Phasenverschiebung erfährt.

Mit den Tasten in der oberen Reihe wählt man die Messfrequenz aus. Welche das genau sind habe ich mal mit meinem Multimeter gemessen:

Taste Freq
Low 44 Hz
Med 1 350 Hz
Med 2 2.1 kHz
High 13.8 kHz

Wie Ihr Euch vielleicht erinnert, wird das device under test (DUT) in Serie zu einem internen Widerstand geschaltet (in unserem Fall ein Poti), so dass ein Spannungsteiler entsteht. Hier das vereinfachte Schaltbild des Tektronix TR210 Tracers (aus dessen Manual kopiert) dem der chinesische nachempfunden sein dürfte:

Mit dem Oszilloskop wird nun die Spannung über dem DUT auf der X-Achse gemessen und auf der Y-Achse die Spannung über einem internen Widerstand, der als Stromsensor dient (im Schaltplan als Amperemeter dargestellt).

Der Taster rechts schaltet das Gerät in den alternierenden Modus bei dem abwechselnd das Signal für Kanal A bzw. B angezeigt wird. Die Geschwindigkeit mit der der Wechsel Erfolg wird mit dem rechten Poti eingestellt.

Ganz oben befinden sich dann die Anschlüsse für die Spannungsversorgung (24V DC) sowie für die beiden Oszilloskop-Kanäle (X/Y).

Nun, da wir halbwegs verstanden haben, was die Bedienelemente tun, beschriften wir mal alles:

Let's test!

Nun ist es an der Zeit, mal ein paar herumfliegende Bauteile zu testen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das so aussieht.

Also Oszilloskop anschließen und alles einstellen:

  • Kanal 1 auf X
  • Kanal 2 auf Y,
  • DC-coupling
  • 1x probe,
  • 1V/div
  • timebase 1ms/div
  • und dann in den XY-Modus schalten.
  • Damit die Bilder so aussehen, wie im Handbuch des TR201 beschrieben müssen beide Kanäle invertiert werden. Das hatte ich bei den ersten Messungen vergessen, aber sofort bei der Diode bemerkt und korrigiert. Aber letztlich egal – man kann auch einfach die Messspitzen vertauschen...

Grundlegende Bedienung beim Test

Im Prinzip ist Testen super simpel: einfach mit den beiden Messspitzen über einer zu testenden Komponente Kontakt herstellen und auf den Bildschirm schauen. Wie bei einem Multimeter. Je nachdem, was wir für ein Bauteil vor uns haben und was das Oszi anzeigt kann es Sinn machen, dann den Frequenzbereich zu ändern, oder den interen Widerstand des Tester zu verstellen, damit man eine vernünftige Kurve zu sehen bekommt. Und so tastet man sich Bauteil für Bauteil durch die Schaltung bis man etwas auffälliges findet.

Im folgenden sehen wir verschiedene typische "analoge Signaturen" typischer Bauteile. Mehr davon gibt es in den Links, v.a. dem Manual des TR210.

Open Circuit – nix angeschlossen

Als erstes wieder open circuit. Diesmal aber korrekt im XY-Modus und bei Frequenz Med 1:

Wir bekommen eine schöne horizontale Line, da die volle Spannung anliegt und kein Strom fließen kann. Wechseln wir aber auf den Frequenzbereich High und drehen die Dämpfung maximal auf sehen wir eine deutliche kapazitive Komponente:

Kurzschluss

Diesmal bekommen wir eine vertikale Line, denn die Spannung bricht über dem DUT augenblicklich zusammen, de es keinen Widerstand hat – dafür fließt der Strom frei.

Widerstand

67kΩ, F=Med1

67kΩ, F=Med1, maximale Dämpfung:

67kΩ, F=High, maximale Dämpfung:

Zunächst sieht es eigentlich nach open circuit aus, aber wenn man den Ausgangswiderstand des Tester hochdreht (Dämpfung), erkennt man, dass die Line eine klare Steigung hat. Geht man dann auf die höchste Messfrequenz addiert sich die schon anfangs erwähnte kapazitive Komponente.

Und hier bekommen wir eine diagonale Line, wie es sich für einen ohmschen Widerstand gehört: der Strom steigt proportional zur Spannung.

Dioden

Zunächst mal eine stinknormale Silizum-Gleichrichterdiode (GP10Y):

Oops – das sieht irgendwie verkehrtherum aus im Vergleich zu dem Bild, das ich mal gelernt hatte. Und siehe da: ich hatte vergessen dass man die Kanäle invertieren muss. Schnell korrigiert und schon erscheint das gewohnte Bild:

Als nächstes versuchen wir mal eine rote LED auf Frequenz Low:

Und eine 3.0V Zener Diode:

Nehmen wir eine 3.9V Zener Diode wird es am linken rand schon knapp:

Und bei einer 5.1V Zener Diode nehmen verpassen wir das spannendste:

Kondensatoren

47µF Elko bei ~40Hz:

Alternierender Modus

Dieses Gerät gibt es in zwei verschiedenen Varianten:

  1. Wechselanzeige: d.h. das Gerät kann zwischen der Anzeige der beiden Kanäle hin- und herschalten und man kann die Wechselgeschwindigkeit einstellen
  2. Dualanzeige: beide Kanäle werden gleichzeitig angezeigt und man kann die y-Verschiebung einstellen.

Ich habe die Variante 1. Der Wechseltakt kann im Bereich von ca. 1/s bis 5/s eingestellt werden – das ist jedenfalls meine ultimativ akkurate Schätzung, denn nachgemessen habe ich es nicht.. Dieser Modus ist nützlich, um ein unbekanntes oder fraglich defektes Bauteil mit einem bekanntermaßen funktionierenden als Referenz zu vergleichen. Oder sogar bei der Fehlersuche in einer Platine das Referenzbild einer identischen, funktionierenden Platine heranzuzuiehen.

Und zuguterletzt kann man den Wechselmodus verwenden, um aktive Bauteile mit drei Beinen zu testen: Transistoren oder MOSFETs. Dabei verbindet man dann die blaue G Buchse mit dem Gate oder Base Pin, die beiden anderen mit A und COM. Beim automatischen Wechseln wird nun die Spannung an Gate/Base ein und ausgeschaltet und wir bekommen das Bauteil im aktiven und inaktiven Zustand zu sehen. Z.B bei diesem Transistor, der im Takt ein- und ausschaltet:

Die ganzen bisherigen Screenshots stammten von meinem Siglent SDS2104X plus. Damit geht es recht gut. Doch für das kleine Video habe ich dann doch mein altes analoges Hameg HM2005 verwendet, denn es reagiert viel spritziger. In dem Bereich sind analoge Oszis einfach unschlagbar. Mit vielen älteren, billigeren Sigitaloszilloskopen ist der XY-Modues fast unbrauchbar, also selber erstmal ausprobieren, ob euer Oszi das vernünftig kann und notfalls eine billiges altes Hameg auf Ebay kaufen ;-)

Fazit

Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Das Ding tut was es soll und lässt sich ganz ok bedienen.

Aber ich finde es nicht uneingeschränkt gut. Die maximale Testspannung von ± 4.6V ist nicht so das gelbe vom Ei – für moderne, hauptsächlich digitale Schaltungen ist das OK, aber schon bei einer 5V Zener-Diode oder manchen Komponenten auf der Primärseite eines Netzteils reicht das nicht mehr aus, um alle Eigenschaften zu prüfen.

Das Manual ist sehr knapp und teils unverständlich – Beispielgraphiken fehlen ganz. Hier besser das Handbuch des Tekronix Testers besorgen. Und der Hersteller hätte ruhig 20 Cent mehr ausgeben können um den beiden Potis richtige Drehknöpfe zu spendieren.

Mit einem modernen Digitaloszi klappt die Visualisierung im XY-Modus ganz ordentlich. Noch viel besser aber flutscht es mit einem alten analogen Oszi - allerdings hat mein Hamekg HM2005 hnehin einen integrierten Komponententester, so dass ich normalerweise den verwende. Ältere/billigere Digitaloszis sind im XY-Modus eine Qual – also Finger weg für diese Anwendung.

Wem das jetzt alles zu Hardware-lastig war, der kann natürlich auch auf eine Softwarelösung zurückgreifen: In Form einer App für Keithley 2450 Source Meter. ;-)

Links

Zuguterletzt noch ein paar Links auf hilfreiche Ressourcen.