Bosch PowerTube 800 Reparatur

Posted on Mo 13 April 2026 in Computer & Electronics

Heute mal wieder eine Anekdote aus dem Repair-Cafe. Der Patient ist ein eBike-Akku: Bosch PowerTube 800. Und der ist etwas traumatisiert, denn ein böser Mensch wollte ihn stehlen und hat dabei einen großen Schraubenzieher oder sowas am einen Ende sehr unsanft in einen Spalt gerammt und wohl versucht, ihn auszuhebeln. Zwar ist der Raubzug misslungen, aber der Akku spinnt seitdem: der Ein-/Austaster hat keine Funktion mehr und die Ladeanzeige-LEDs bleiben dunkel. All das wäre zu verschmerzen, aber leider zeigt er auch gelegentliche Aussetzer, was dem Radelvernügen sehr abträglich ist.

Schnell war klar, dass der verkappte Dieb das Flachbandkabel, das LEDs und Folientaster mit dem BMS verbindet, zerstört hatte. Da hatte jemand keine Ahnung, wo man hebeln muss...

Also mal die Kappe abschrauben und genauer prüfen, was da los ist. Das ging erfreulich einfach: ich musste nur 2x4 Torx-Schrauben lösen und konnte zunächst die Kappe und dann die Dichtung und einen Plastiktrenner entfernen, die oben im Aluprofil befestigt waren, das die Zellen enthält. Dort fand sich dann die Buchse in die das Flachbandkabel mündet sowie ein weiterer Plastiktrenner unter dem dann das BMS und die Zellen liegen. Aber dahin müssen wir nicht, Zugang zur Buchse genügt. Alles macht einen sehr solide gebauten und erfreulich Service-freundlichen Eindruck.

Beseelt von der positiven Öffnungs-Erfahrung schrieb ich also an den Bosch-Support mit der Bitte um Infos, wie und wo man das nötige Ersatzteil bekommen kann. Viel kann sowas ja nicht kosten und der Wechsel ist trivial.

Ernüchterung

Tags drauf kam die Antwort:

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Wir bieten für unsere Akkus keine Ersatzteile an und es können daher keine sep. Teile nachbestellt werden.

Ein Hinweis, auch wenn Repair Cafés an sich eine gute Sache sind, defekte, alte oder „verbrauchte“ Akkus müssen komplett entsorgt werden. Bosch rät dringend davon ab, lediglich die Zellen auffrischen zu lassen. Lithium-Ionen-Akkus sind komplexe, fein abgestimmte Systeme mit einem hohen Energieinhalt. Die Sicherheit und optimale Zusammenarbeit mit dem Batterie-Management-System kann in diesem Fall nicht mehr gewährleistet werden. Darüber hinaus erlischt durch eine Öffnung oder Veränderung der Akkus jeglicher Garantie- und Gewährleistungsanspruch.

Bosch eBike-Akkus dürfen keinesfalls geöffnet werden, auch nicht im Rahmen einer Reparatur durch Dritte. Ein Öffnen des Akkus bedeutet immer einen Eingriff in den von Bosch freigegebenen Zustand und birgt sicherheitsrelevante Risiken. Es besteht die Gefahr, dass der einmal geöffnete Bosch eBike-Akku infolge unsachgemäßer Reparatur (z. B. wegen gequetschter oder nicht korrekt verlegter Kabel, gelöster Komponenten oder qualitativ minderwertiger elektrischer Verbindungen) durch einen Kurzschluss in Brand geraten kann. Nach dem Öffnen kann zudem die Dichtheit des Gehäuses nicht mehr gewährleistet werden, sodass das Eindringen von Wasser oder Staub zu Schädigungen an der Überwachungselektronik (Batterie-Management-System) oder an den Zellen führen kann. Auch hier besteht die Gefahr, dass der Bosch eBike-Akku durch einen Kurzschluss in Brand geraten kann.

Weitere Hinweise zum Thema Akku-Sicherheit finden sich in dem Artikel des Zweirad-Industrie-Verbands: https://www.ziv-zweirad.de/headline-text-batteriesicherheit/

Mit freundlichen Grüßen

Sind die zu heiß gebadet? Da braucht man ein 5€ Ersatzteil für einen 1000€ Akku und die sagen sinngemäß "tough luck, sucker!" gefolgt von dämlichen Kommentaren zu Dingen, die nix mit dem konkreten Problem zu tun haben. Da ist mir dann schon ein bisschen der Gaul durchgegangen.

Vielen Dank für Ihre negative Antwort und die herablassenden Belehrungen ohne Bezug zur Anfrage.

Es gab Zeiten, in denen ich unseren Kunden im Repair-Cafe den Kauf deutscher Produkte empfohlen habe, da diese zwar doppelt so teuer wie die der asiatischen Mitbewerber waren, aber zumindest mit Support und Ersatzteilservice zu rechnen war. Leider muss ich nun lernen, dass sich der Unterschied nun offenbar ausschließlich auf den Preis bezieht. Ich muss meine Empfehlungen wohl entsprechend anpassen.

Auch verwundert es mich, dass im Hause Bosch offenbar noch nicht angekommen ist, dass das Recht auf Reparatur mit großen Schritten kommt. Aber ich bin sicher, Sie werden Mittel und Wege finden, sie legal zu umgehen.

Bitte eskalieren Sie mein Support Ticket in eine höhere Ebene.

Weitere Hinwiese zur bevorstehenden Rechtslage finden Sie beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/0115_Recht_auf_Reparatur.html

mit freundlichen Grüßen

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Jetzt geht's mir besser!

Also anders. Bei genauer Betrachtung würde ich annehmen, dass wir das ruinierte Bedienelement einfach komplett abklemmen/ausbauen können. Zum Einschalten ist der Taster nicht erforderlich, das geht auch direkt an der Steuerung des eBikes. Den Ladezustand kann man ebenfalls im Display ablesen. Die einzige Funktion, die man verliert, ist die Überprüfung des Ladestands außerhalb des Bikes. Aber wenn es das alles nicht braucht, warum hat der Akku dann rumgezickt? Ganz einfach: das Kabel war zwar durch, aber die Enden berührten sich noch und teils lagen die Kupferleiter frei und so kam es bei Erschütterungen halt zu gelegentlichem Kontakt, den der Akku dann als Aufforderung zum Abschalten verstand.

Also habe ich das Teil ausgebaut und die Besitzerin hat ihn inzwischen ausprobiert und er läuft einwandfrei. Sollten die Dödel von Bosch noch Einsicht zeigen, kann man das Kabel ja später noch einbauen.

Aber haben die nicht ganz vielleicht doch recht, das die Zellen spontan explodieren und in einer Kettenreaktion zum Weltuntergang führen könnten? Nein. Die Zellen liegen sicher und unbehelligt im Aluprofil – weit weg vom Tatort.


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