Defekter Einwecktopf
Posted on Sa 22 August 2026 in DIY & Workshop
Wer sein Obst liebevoll gepflegt hat freut sich an der Ernte. Aber meist bekommt man dann so viel auf einmal, dass der ganze Mist faulig wird bevor man alles essen konnte. Was tun? Der gewiefte Gärtner weiß natürlich Abhilfe: Einfrieren, pressen und vergären oder einmachen. Für letzteres braucht man dann so einen großen Topf in den man die frischen Marmeladen- oder Kompottgläser stellt, um sie im Wasserbad eine Weile heiß zu machen/halten. So sterilisiert man sie und sie halten dann so lange, bis die eigenen Erben die Früchte der Ernte von vor fünfzig Jahren eines Tages entsorgen, obwohl sie noch einwandfrei sind.
Dennoch erfreut sich die Methode großer Beliebtheit. Zudem kann man den Topf auch zum Bierbrauen oder für Glühwein verwenden. Und so hat auch mein Nachbar ein Exemplar. Allerdings trat selbiges kürzlich in den Ausstand, was sich dadurch bemerkbar macht, dass er nicht mehr heizen mag, so wurde mir berichtet.
Mal testen
Also schauen wir uns das mal an.

Also mal an den Strom und einschalten. Nix. Zwar hört man beim Drehen des Knopfes deutlich ein "Klick" des Thermoschalters, aber weder leuchtet das Lämpchen, noch erwärmt sich da was. Der ist häää. Vielleicht der Schalter, das Heizelement oder die Thermosicherung. Also machen wir ihn mal auf.
Obduktion
Topf auf den Kopf stellen, Gummifüße rausprokeln und die darunter versteckten Schrauben heraus drehen. Und schon geht der Boden ab und wir schauen auf das Innenleben. In der Mitte kann man gut den Thermofühler sehen:

Und an der Seite sieht man dann den Schalter und die restliche Verdrahtung:

Als erstes prüfen wir mal den Schalter. Erst an

dann aus:

Der funktioniert einwandfrei. Als nächstes mal das Heizelement durchmessen – 30Ω.
Das Typenschild sagt 1800W, d.h. das passt.

Das Stromkabel sieht gut aus und es kommen auch 230 V am Schalter an. D.h. unsere Hauptverdächtige ist die Thermosicherung. Die ist dafür zuständig, den Strom abzuschalten, wenn der Topf überhitzt. Z.B. wenn der Topf heizt, aber leer ist. Dann kann es ganz schnell mal richtig heiß werden, das Plastik schmelzen und schließlich gibt es ein hübsches Feuerchen. Das wollen wir natürlich nicht und deshalb die Thermosicherung. Sie ist typischerweise recht unscheinbar und ich würde tippen, dass sie sich in diesem weißen hitzefesten Gewebeschlauch versteckt, den wir schon am Anfang neben dem Thermofühler gesehen haben:

Kabelbinder ab, Schutzgewebe zur Seite schieben und da ist sie:

Und wie erwartet ist die durch:

Also zwicken wir die raus und kneifen die Augen zusammen, damit wir lesen können für welche Temperatur die ausgelegt ist. 172°C. Schauen wir mal in der Bastelkiste, ob ich so eine habe. Ja – hab ich. Sehr gut. Dann bauen wir die gleich ein. Aber Achtung: die darf man auf keine Fall einlöten, denn es ist eine Thermosicherung und die schmilzt augenblicklich wieder durch, wenn wir sie mit einem Lötkolben bearbeiten. Manche Spezialisten klemmen dann dicke fette Klemmen aus Metall an die Beinchen, um beim Löten die Wärme abzuleiten, aber der korrekte Weg ist Crimpen. So war die auch ursprünglich installiert und genauso mach wir das auch wieder. Einfach eine passende Metallhülse nehmen, Litzen-Enden rein, Beinchen der Sicherung ebenfalls und mit einer passenden Crimpzange verpressen. Das hält bombensicher und da erwärmt sich nix. Dann wieder diesen hitzefesten Schlauch drüber schieben und alles mit Kabelbindern befestigen, wie es zuvor war:

Das Multimeter sagt, dass nun wieder Durchgang besteht. Also alles ordentlich zusammenbauen.
Testen
Und weil ich ein pflichtbewusster Mensch bin und nicht möchte, dass der Nachbar beim Einwecken tot umfällt, machen wir auch noch einen Sicherheits-Check:

Das sieht doch gut aus. Also zum Abschluss noch ausprobieren, ob er wieder funktioniert. Stecker rein, einschalten und mit den Pfoten prüfen, ob der Topfboden sich erwärmt. Tut er und auch das Lämpchen ist wieder zum Leben erwacht:

Sehr gut. Reparatur war ein Erfolg und ich kann den Topf wieder zurückgeben.