VDE Gerätetester
Posted on Do 18 Dezember 2025 in Computer & Electronics
Wenn ich ein Gerät repariere das mit Netzspannung läuft, oder eines aus China kaufe, mache ich typischerweise einen kleinen Sicherheitscheck, bevor ich es in Betrieb nehme. Mit Multimeter, Isolationstester und Leckstromzange kann ich alle nötigen Dinge messen. Das ist lehrreich und funktioniert, ist aber etwas aufwändig. Es gibt auch halbautomatische Gerätetester für diesen Zweck, aber leider kosten die Dinger neu so zwischen 500 und ein paar tausend Euro Das ist es mir nicht wert. Aber so hin und wieder schaue ich mal auf einschlägigen Auktions- und Kleinanzeigenportalen, ob vielleicht ein Schnäppchen zu machen ist.
Und so fand ich kürzlich eine Annonce für ein Benning ST720 in Neuzustand. D.h. es ist neu und alt zugleich – also einige Jahre alt, aber unbenutzt. Dieses Modell wurde schon vor Jahren vom ST725 abgelöst, das auch Datenspeicherung und einen Drucker unterstützt. Aber sowas brauche ich echt nicht und so scheint mir das ST720 perfekt. Im Gegensatz zum ST710, das nur Ersatzableitstrom messen kann, bietet das ST720 auch die echte Differenzstrommessung im Betrieb, was v.a. bei Geräten mit internen Relais ein riesen Vorteil ist. Der Preis war auch ok und da konnte ich nicht widerstehen und hab das Teil gekauft.
Auspacken
Ein paar Tage später war es da. Gut verpackt und offenbar wohlbehalten. Also Tester aus der Tragetasche nehmen und in Augenschein nehmen. Sieht gut aus – wie in der Anzeige beschrieben sind keine Gebrauchsspuren zu erkennen.

Das ist doch schomal gut. Also Messkabel dranmachen und einschalten – nix. Hm. OK, da werden keine Batterien drin sein. Also schnell 6 AA Zellen herauskramen und Batteriefach öffnen. Oh, Schreck:

Mist! Da sind 2 Zellen massiv ausgelaufen und haben einigen Korrosionsschaden angerichtet. In einer der Mulden steht etwas Flüssigkeit. Nicht gut. Ich hoffe, der Schaden ist auf das Batteriefach begrenzt und dieser weißliche Mist ist nicht auf die Platine gelaufen und hat dort Leiterbahnen oder Kontakte zerfressen. :-(
Instandsetzung
Also erstmal die defekten Zellen entsorgen und das Batteriefach provisorisch saubermachen. Dann neue Zellen rein und testen, ob er überhaupt geht. Ja – tut er.
Als nächstes habe ich dann erstmal den Verkäufer kontaktiert und wir haben uns geeinigt, dass ich das Ding öffne, um die Lage im Inneren zu beurteilen. Wenn der Schaden nicht zu groß und mit vertretbarem Aufwand reparabel ist, behalte ich es und bekomme einen Preisnachlass, andernfalls gebe ich es zurück. Hoffentlich ist es nicht zu schlimm, denn ich hatte mich schon sehr auf den Tester gefreut!
Zunächst sind mal 6 Schrauben zu entfernen. Dann muss man die schwarzen Gummiteile am oberen und unteren Ende abziehen und schon lässt sich der Boden abnehmen. Vorsichtig kann man den dann etwas anheben, bevor man dann zwei Stecker aus ihren Buchsen zieht, um das Ganze dann vernünftig auseinandernehmen zu können. Im Gerät finden sich zwei Platinen: Die Hauptplatine ist direkt unter der Gerätefront und enthält die meisten Bauteile. In der unteren Schale ist unter einer Art Papptrenner eine Tochterplatine. Um diese entnehmen zu können, müssen weitere Schrauben gelöst werden.

Die Hauptplatine sieht tiptop aus – da ist nichts korrodiert. Offenbar war sie durch die zweite Platine und dieses Trennblatt geschützt. Leider sind ein paar Lötstellen und Kontakte auf der anderen Platine aber grünlich korrodiert. Soweit ich es erkennen kann, ist aber nichts durchgefressen. D.h. das sollte sich reparieren und konservieren lassen. Also wende mein übliches Verfahren auf Batteriefach, Gehäuseschale und Platine an:
- Mit Essigsäure das ätzende Alkali-Zeug auflösen (schäumt schön)
- Großzügig mit destilliertem Wasser spülen
- Mit Bürstchen, Glasfaserpinsel und Schleifpapier verbliebene Krusten entfernen
- Nochmal mit destilliertem Wasser spülen
- Trockentupfen
- Angegriffene Lötstellen nachlöten (frisches Lot zugeben)
- Mit Isopropanol putzen
- Vollständig trocken lassen
- Platine, Kontakte etc. mit Kontakt 61 einsprühen, um restliches Wasser zu verdrängen und alles mit einem schützenden Film zu überziehen.
- Die korrodieren Batteriekontakte haben zudem noch ein bisschen Polfett bekommen.
An den Batteriekontakten ist teils die Nickelbeschichtung abgeplatzt – ich hoffe, das hält so auf die Dauer. Notfalls muss ich irgendwann die Kontakte tauschen.
Alles wieder zusammenbauen und testen: Gerät schaltet ein und scheint zu funktionieren:

Probelauf
Nun ist es an der Zeit, mal ein paar Geräte damit zu prüfen.
Als erstes nehmen wir einen simplen Weller 80W Lötkolben. Stecker in den Tester und Krokoklemme an die Lötspitze. Taste für Geräte Klasse I drücken und kurz warten. Es klicken ein paar Relais und nach ein paar Sekunden bekommen wir das Ergebnis:

Also der Lötkolben ist betriebssicher. :-)
Als nächstes schnappen wir uns ein Kaltegrätekabel aus der Kabelkiste. Auch hier kommt der Stecker wieder in die Dose am Tester und für den Kaltgerätestecker gibt es eine passende Buchse auf der Oberseite des Testers. Auch hier wieder die Klasse I Taste drücken:

Und auch das Kabel ist elektrisch sicher. Leider habe ich gerade kein defektes Gerät zur Hand, um auch mal ein Problem zu demonstrieren. Aber egal. Es gibt momentan keinen Grund zur Annahme, dass das Gerät out of spec sein könnte. Und die Erfahrung mit meinen zahlreichen Multimetern legt nahe, dass die meisten Messgeräte auch über längere Zeiträume echt stabil sind.
Nichtsdestotrotz würde es mich schon wahnsinnig reizen, mal die Kalibrierung systematischer zu testen. Aber das machen wir ein andermal – bis dahin denke ich mir was aus, wie ich das angehe.
Fazit
Das war jetzt schon Arbeit, aber ich denke es hat sich gelohnt. So ein Tester ist schon eine praktische Sache und ich freue mich schon, ihn bei den nächsten Reparatur-Projekten zum Einsatz zu bringen. Entweder nach Reparatur, oder auch mal davor, um mir den Gang zum Sicherungskasten zu ersparen. Und ich werde mich bemühen, das Gerät immer brav ohne Batterien zu lagern...