Seniorenmobil Havarie
Posted on Sa 15 August 2026 in DIY & Workshop
Ein mir persönlich bekannter Senior, der gerne anonym bleiben möchte, genießt seine Freiheit in Form eines Elektromobils. Damit kann er den Ort unsicher machen, einkaufen, spazierenfahren oder einfach mal seiner Frau entfliehen. Leider geschah ihm kürzlich ein kleines Missgeschick: Statt schwungvoll vorwärts aus der Garage zu düsen, bewegte sich das Gefährt ebenso schwungvoll rückwärts und krachte gegen die Wand. Und dabei ist die hintere Kunststoffverkleidung in zwei Teile gebrochen:

Und auch die Aufhängungen haben gelitten:

Fahrzeugchirugie
Der Betroffene hatte schon einen Versuch unternommen, das Ganze in situ mit Plastikkleber zu beheben, aber erwartungsgemäß hat das nix gebracht. Und deswegen liegt das Ganze ja nun auch auf meiner Werkbank. Kleben dürfte da aussichtslos sein, diese Verkleidung muss ja auch mechanisch wieder belastbar sein. Aber was macht man da?
Wie es der Zufall™ so will, habe ich genau das richtige Werkzeug dafür – eine Kunststoff-Schweißpistole:

Im Grunde funktioniert die genau so wie die gute alte Lötpistole, nur dass im Gegensatz zur Lötpistole, die "Lötspitze" nicht wiederverwendet wird. Denn statt einer Lötspitze kommen da so kleine Drahtklammern rein, die man dann erhitzt und so in den Kunststoff hineinschmilzt. Und so setzt man dann Klammer neben Klammer und schließt so nach und nach den Riss.
Damit das halbwegs gerade wird, habe ich die beiden Teile erstmal mit zwei Federzwingen fixiert...

... und dann an beiden Enden je eine Klammer reingeschmolzen. Dann eine in die Mitte und schließlich eine nach der anderen, dicht an dicht, bis der Riss geschlossen war.

Das ist garnicht so schlecht geworden. Sieht fast aus wie eine geklammerte Schnittwunde. Nun mit der Kneifzange die ganzen überstehenden Drähte abknipsen. Von außen ist das Ganze nur so mittelschön geworden, weil ich ein paar Klammern zu tief im Plastik versenkt habe:

Die andere Seite ist besser gelungen:

Aber ich denke das ist nicht so schlimm und kann später mit ein bisschen Lack kaschiert werden und auf alle Fälle fühlt sich das nun wieder halbwegs belastbar an.
Als nächstes müssen wir uns um diese abgerissenen Nupsies für die Befestigung kümmern. Die sind tricky und ich habe eine ganze Weile herumgetüftelt bis ich auch die mit solchen Schmelzdrähten fixiert hatte:

Allerdings traue ich der Stabilität dieser Verbindung nicht über den Weg, d.h. das muss noch mit einer Schicht Epoxydharz verstärkt werden. Zuvor gründlich von Schmutz befreien und dann mit Spiritus entfetten.

Und wo ich schon dabei war, habe ich auch die geklammerte Naht innen mit Epoxy überzogen, um den Spalt zu schließen und noch ein kleines bisschen mehr Robustheit zu bekommen. Und dann eine Lage Glasfaserband und nochmal Epoxy. So sollte das halten.

Nun alles aushärten lassen und hoffen, das beim Einbau nix abbricht.
Fazit
Das war durchaus ein bisschen Arbeit, aber ich finde es ist ganz OK geworden. Natürlich hatte ich auch mit dem Gedanken gespielt, einfach eine neue Verkleidung zu besorgen, aber es ist mir nicht gelungen, eine passende zu finden. Diese Fahrzeuge kommen alle aus China und die Händler haben meist kaum Ersatzteile und schon garnicht für das vorletzte Modell von vor 5 Jahren. Da steht man dann echt im Regen.
Und weil ich es mir nicht verkneifen kann, hier noch meine persönliche Homage an einen der besten YouTuber der Welt:

Insider werden es sofort erkennen....